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Homeoffice versus Back to Office
von Stephan
Warum gute Teamarbeit nicht an vier Wänden hängt
Die Diskussion um den „richtigen“ Arbeitsort wird seit Monaten fast religiös geführt. Auf der einen Seite stehen Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden zurück ins Büro holen möchten. Auf der anderen Seite Teams, die im Homeoffice ihre Produktivität, Freiheit und Fokus gefunden haben. Doch bei all den Modellen, Regeln und Rückkehrstrategien gerät eine entscheidende Wahrheit oft in den Hintergrund: Gute Teamarbeit entsteht nicht durch räumliche Nähe – sondern durch Haltung, Vertrauen und Kommunikation.
Wir selbst sind eine Kommunikationsagentur mit zehn Personen. Und ja, wir lieben Remote-Arbeit. Nicht aus Prinzip, sondern aus Erfahrung. Unsere Agenturräume nutzen wir für Meetings, Workshops und persönliche Begegnungen – bewusst, gezielt oder einfach nach dem Lust-Prinzip. Was wir nicht tun: Anwesenheit mit Zusammenarbeit verwechseln. Oder Präsenz mit Produktivität.
Die Vorstellung, dass ein Team automatisch stärker wird, wenn alle gemeinsam im Büro sitzen, ist romantisch – und oft schlicht unrealistisch. Nähe ist kein Garant für Austausch, genauso wenig wie ein voller Raum ein Garant für gemeinsames Denken ist. Man kann sich im selben Büro unfassbar fern sein. Und man kann remote miteinander verbunden sein wie ein eingespieltes Orchester.
Was wirklich zählt, ist etwas anderes: Transparenz, Eigenverantwortung, gute Meetingkultur, klare Erwartungen und das Gefühl, gesehen zu werden. Dafür braucht es keinen festen Arbeitsplatz. Dafür braucht es gute Führung und ein gemeinsames Verständnis davon, wie Zusammenarbeit funktionieren soll.
Remote funktioniert nämlich dann gut – wenn man es bewusst gestaltet. Erfolgreiches Remote-Arbeiten ist kein Zufallsprodukt. Es erfordert klare Prozesse, verlässliche Kommunikation und Räume für informellen Austausch. Es braucht Rituale, die Nähe schaffen – auch ohne physischen Tisch. Und es braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen und wissen, wann ein persönliches Treffen sinnvoll ist. Bei uns bedeutet das:
- Regelmäßige virtuelle Touchpoints, die mehr sind als „Statusupdates“.
- Gezielte persönliche Treffen in unseren Agenturräumen – dann, wenn sie wirklich einen Mehrwert haben.
- Ein Umfeld, in dem Vertrauen wichtiger ist als Kontrolle.
- Und die Bereitschaft, Arbeitsweisen immer wieder zu reflektieren und anzupassen.
Die Frage lautet nicht: Homeoffice oder Office? Die eigentliche Frage lautet: Was braucht unser Team, um gut zusammenzuarbeiten – und wo findet diese Zusammenarbeit am besten statt? Für manche Aufgaben ist das Büro optimal. Für andere ist es schlicht unnötig oder sogar hinderlich. Hybrid ist kein Kompromiss, sondern eine Möglichkeit, Arbeit neu zu denken – flexibel, selbstbestimmt und an den Bedürfnissen des Teams orientiert.
Fazit: Gute Teamarbeit entsteht dort, wo Menschen sich gut fühlen. Ob im Homeoffice, im Büro oder irgendwo dazwischen: Zusammenarbeit lebt von echter Verbindung – nicht von Anwesenheitspflicht. Teams brauchen Vertrauen, Austausch und gemeinsame Ziele. Wo der Stuhl steht, auf dem wir dabei sitzen, ist letztlich zweitrangig.


